Schlusskritik des Masterprojekts Vergleichendes Entwerfen mit KI - Wohnen zwischen Stadt und Land - Einsichten in neue Entwurfsformate, Werkzeuge und Workflows am Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren (Betreuung: Mauritz Lüps).
Über das Projekt:
Die Architekturgeschichte ist geprägt von technologischen Umbrüchen – vom z. B. Stahlbeton über CAD bis zu 3D/BIM. Heute stehen wir an der Schwelle einer weiteren Transformation: Generative Künstliche Intelligenz tritt in den Entwurfsraum ein und stellt etablierte Arbeitsweisen sowie unser Selbstverständnis als Gestalter in Frage.
Mit der Verfügbarkeit großer Sprachmodelle und (bild-)generierender Systeme erleben wir einen Paradigmenwechsel. Diese Systeme ermöglichen es, sprachlich formuliertes Denken direkt in räumliche Konfigurationen zu übersetzen, visuelle Ideen und Grundrisse- und Gebäude-Modelle in Sekundenschnelle zu materialisieren. Die Durchdringung der Arbeitswelten vollzieht sich mit einer Dynamik, die selbst optimistische Prognosen übertrifft.
Ein neues Entwurfsparadigma
Was diese Entwicklung unterscheidet: Während CAD und BIM deterministische, passive Werkzeuge blieben, treten generative KI-Systeme als aktive Partner ein. Sie generieren, augmentieren, variieren und überraschen – sie eröffnen Möglichkeitsräume, die der Mensch allein nicht explorieren könnte.
Dies führt zum *Vergleichenden Entwerfen mit KI*: Statt linear einen Entwurf zu entwickeln, ermöglicht KI die parallele Entwicklung multipler Lösungsansätze. Die Rolle des Architekten wandelt sich vom singulären Schöpfer zum kuratorischen Gestalter, der aus generierten Möglichkeiten selektiert und verfeinert. Es ist eine Verschiebung vom "Was" zum "Warum" – weshalb wird gerade diese Form aus tausend möglichen gewählt?
Die Kernkompetenzen des Architekten – räumliches Verständnis, kontextuelle Sensibilität, ganzheitliche Bewertung – werden dabei wichtiger, nicht obsolet. Je mehr Optionen generiert werden, desto entscheidender wird die Fähigkeit zur kritischen Selektion und ästhetischen Beurteilung.
Early Adoption als akademischer Imperativ
Die akademische Lehre muss Räume schaffen für das Erproben neuer Workflows und die kritische Reflexion dieser Technologien. Der Entwurfskurs versteht sich als Labor für diese Exploration – generative KI nicht als Bedrohung, sondern als Erweiterung des architektonischen Instrumentariums.
Die Fähigkeit, dutzende Varianten zu generieren, entbindet nicht von sorgfältiger Evaluation. Die Leichtigkeit der Bilderzeugung ersetzt nicht tiefgründiges räumliches Denken. Es gilt, die Balance zu finden zwischen dem Rausch des Möglichen und der Disziplin des Angemessenen.
Gastkritiker:innen: Univ.-Prof. Alexander Bartscher
Wann:
Dienstag, 10.02.2026
13:00 Uhr
Wo:
R 4124A
Technische Universität München (TUM)
Arcisstraße 21
80333 München