Hans Döllgast Preis für Christina Arnold
Studies, Award |
Die Arbeit widmet sich dem leerstehenden Gebäudeensemble um das ehemalige Backhaus Rischart im Münchner Stadtteil Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt und untersucht dessen zeitgeschichtlichen, typologischen und städtebaulichen Kontext.
Grundlage bildet eine umfassende Bestandsanalyse, die zeichnerische Dokumentation, 3D-Laserscans, die Auswertung bislang unveröffentlichter Archivalien sowie Zeitzeugeninterviews zusammenführt. Die als Spaziergang durch das Gelände angelegte Baudokumentation verknüpft historische und aktuelle Perspektiven und führt in die Entwurfsstudie über.
Der Entwurf versteht sich als Gegenvorschlag zum derzeit geplanten Neubauprojekt, welches einen Totalabriss vorsieht. Stattdessen wird der Bestand zum Ausgangspunkt einer möglichen Nachnutzung. Bauen im Bestand wird nicht als Kompromiss oder Zwang verstanden, sondern begründet die Findung der Form. Das Ensemble wird als gewachsenes Gefüge weitergeschrieben: Eine Passage durch die Innenhofstruktur mündet in die ehemalige Backstube, die als überdachter Stadtplatz neu interpretiert wird. Geschickte Interventionen erhöhen bzw. schaffen nutzbare Wohnfläche in den angrenzenden Innenhofgebäuden.
Die Entwurfsmethode schätzt den Bestand und seine vielschichtigen Bauphasen und den dichten städtebaulichen Kontext. Das Gebäudeensemble wird als zusammengehöriges Gefüge sich überlagernder räumlicher Fragmente verstanden und durch neue Maßnahmen passstückartig weitergeschrieben, ohne Anspruch auf Finalität.
Die Jury hebt die „vielschichtige und tiefgehende Auseinandersetzung“ mit dem Bestand hervor, die aus der umfassenden Analyse entwickelt wird und sowohl die architektonischen Qualitäten des Gebäudes als auch des städtebaulichen Ensembles überzeugend herausarbeitet. Besonders gewürdigt werden die Qualität der Visualisierung und Präsentation, die diese Qualitäten nachvollziehbar machen, sowie der daraus entwickelte „ganzheitliche Ansatz einer angemessenen und sensiblen Nachnutzung“. Die klare gestalterische Sprache führe das Vorgefundene respektvoll fort und entwickle daraus ein eigenständiges Konzept, das „über den Einzelfall hinaus wegweisend für viele vergleichbare Situationen ist“.
Die Abschlussarbeit entstand unter der Betreuung von Prof. Dr. Andreas Putz an der Professur für Neuere Baudenkmalpflege der TUM School of Engineering and Design (ED).
Der Hans Döllgast Preis der Technischen Universität München (TUM) wird semesterweise vom Bund der Freunde der TUM für die beste Masterthesis im Studiengang Architektur vergeben.