Mit dem Preis würdigt die Bernhard-Borst-Stiftung jährlich Studierende und junge Absolvierende der Architektur an der Technische Universität München, die sich durch besonders qualitätvolle Arbeitsergebnisse, außerordentliche Leistungsbereitschaft und durch ein hohes Maß an Professionalität auszeichnen.
Florian Roth überzeugt durch eine außergewöhnliche Eigenständigkeit im Studium, große Sorgfalt und einen hohen persönlichen Anspruch. Seine Arbeiten zeigen eine tiefgehende Auseinandersetzung mit komplexen Fragestellungen sowie eine präzise und zugleich konzeptionell klare Umsetzung bis ins Detail. Konstruktion und Ausführung werden dabei konsequent weiterentwickelt und in ein stringentes Gesamtkonzept eingebunden. Die Qualität seiner Ausarbeitungen belegt ein sehr hohes Maß an gestalterischer und konzeptioneller Reife.
In dem Projekt “Lozzi” (Semesterprojekt “Design for Disassembly" an der Professorship of Architecture and Construction, SS25) entwirft Florian Roth mit Jakob Hügues einen Schulbau, der langfristig nutzbar und zugleich vollständig rückbaubar ist. Grundlage ist ein zirkuläres Konstruktionssystem aus wiederverwendeten Betonbauteilen, die aus einem nahegelegenen Rückbau stammen und vor Ort neu gefügt werden. Ergänzt durch Stahl- und Holzelemente entsteht ein Tragwerk, das Materialien entsprechend ihrer spezifischen Eigenschaften einsetzt. Die räumliche Organisation ist klar und flexibel aufgebaut: Unterrichtsräume gruppieren sich um gemeinschaftliche Bereiche, während nichttragende Bauteile Anpassungen über die Nutzungsdauer ermöglichen. So verbindet das Projekt konstruktive Präzision mit gestalterischer Klarheit und einem konsequent nachhaltigen Ansatz.
Der Entwurf “Aquilone” (Semesterprojekt “The promise of re-use – Live/work in Urbino” am Lehrstuhl für Städtebau und Wohnungswesen, WS24/25) transformiert das studentische Wohnheim Collegio Aquilone in Urbino zu einem gemeinschaftsorientierten und klimaresilienten Lebensort. Ausgangspunkt ist der behutsame Umgang mit dem Bestand von Giancarlo De Carlo: Die interne Erschließung wird als offene „Gasse“ neu interpretiert, Wohneinheiten werden zu Clustern mit gemeinschaftlichen Räumen umstrukturiert und soziale Begegnung gezielt gefördert. Gleichzeitig reagieren bauliche Maßnahmen auf klimatische Herausforderungen: Regenwasser wird gesammelt und natürlich gefiltert, Solarenergie gespeichert und für ein lokales Heizsystem genutzt. Das ehemalige Bibliotheksgebäude wird zum öffentlichen Badehaus und schafft einen neuen Treffpunkt für Studierende und Stadtgesellschaft.
Die Installation „vis-à-vis“ (Semesterprojekt “Realmontagen - Bauteile im Freien” am Lehrstuhl für Entwerfen und Gestalten, SS23) im Alten Südfriedhof München setzt an der historischen Mittelachse zwischen den beiden von Hans Döllgast sensibel wiederaufgebauten Kapellen an. Ziel ist es, die räumliche Beziehung der Bauwerke zueinander zu schärfen und ihre Innenräume erneut als Orte der stillen Reflexion erfahrbar zu machen. Dazu werden aus beiden Kapellen zentrale Bodenfelder entnommen und als Markierung vor den Eingängen wieder eingesetzt. Im Inneren entstehen flache Wasserbecken, deren dunkle Spiegelungen Gewölbe, Mauerwerk und Vegetation reflektieren und den Blick lenken. Kleine Stahlplatten über den Bögen nehmen die Blickachse zwischen den Kapellen auf. Materialität und Zurückhaltung der Eingriffe folgen Döllgasts Prinzipien: Mit minimalen Mitteln verstärkt die Arbeit Wahrnehmung, Lichtwirkung und die leise Atmosphäre des Ortes.