Projekt MA

 

Open Studio X - Roots / Wurzeln

Team: Benedikt Boucsein, Elif Simge Fettahoğlu Özgen, Daniel Zwangsleitner

 

Einführung: Dienstag 26.April 2022 10h00, Raum 3350
Fragen vorab per E-Mail oder persönlich sind willkommen.

Als Weiterführung und Intensivierung des empowerment-Anspruchs,
den wir in der Lehre seit Beginn umsetzen wollen, schlagen wir dieses Semester das "Open Studio X" vor.

In dieser neuen Studio-Reihe wird dabei die Auswahl der Orte, an denen wir intervenieren, gemeinsam mit euch Studierenden getroffen – den „Ort X“ kennen wir also noch nicht. Dies verstehen wir als einen Akt der Ermächtigung. Jede:r Teilnehmende kann (muss aber nicht) einen Vorschlag ins Studio mitbringen, wo wir intervenieren sollten. Es kann sich dabei um den jeweiligen Herkunftsort handeln, wo Dynamiken und wichtige Akteur:innen bekannt und vertraut sind. Es könnte auch ein Ort sein, an dem Ihr im Rahmen eines Praktikums gearbeitet habt und ungenutztes Potenzial seht. Es könnte ein Ort sein, an dem Ihr die Bürgermeisterin, den Inhaber eines großen Unternehmens oder eine faszinierende NGO kennt.

Es gibt nur eine Einschränkung: Dieser Ort darf nicht innerhalb der Münchner Stadtgrenzen liegen, muss aber über den Landweg erreichbar sein.

Zudem wollen wir am Anfang des Kurses einen Fokus auf die „Roots / Wurzeln“ vorschlagen, wobei dies nicht zwingendermaßen dazu führen muss, dass nur die jeweiligen Herkunftsorte vorgeschlagen werden sollen.

Vielmehr fragen wir: Wo würde unser Beitrag von den lokalen Akteuren:innen tatsächlich angenommen werden? Wo würde er nicht von einem großen Steuerzahler torpediert werden? Wo könnte er zu weiteren Projekten führen, zur Gründung einer lokalen Agentur (Eures Büros?), zu Dingen, von denen wir nie zu träumen wagten?

Dieses Format kann uns somit an Orte führen, die uns nicht beispielsweise von Investor:innen oder Stadtverwaltungen vorgeschlagen werden, sondern die idealerweise "aus der Mitte der Gesellschaft" kommen - Planung ohne Auftrag!

Die anderen vorgeschlagenen Orte wollen wir dabei aber nicht aus den Augen verlieren, sondern die entsprechenden Akteur:innen einladen, unser Studio zu verfolgen und dabei evtl. auch Zusammenarbeiten zwischen Kommunen zu fördern.

Wir werden gemeinsam noch stärker reflektieren, was das Studio ist, was die Rolle der Professur und die der Student:innen ist, und damit letztlich, welche Rolle Ihr als Planer:innen und Architekt:innen später einnehmen wollt.

Das Studio wird so offener und transparenter, was aber nicht heißt, dass die Struktur beliebig ist. Im Gegenteil, das didaktische Konzept, welches dem Semester als Struktur zu Grund liegt, ist klar definiert. Allerdings gibt es Raum, um dieses in Dialog mit euch an die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Projekte anzupassen.

Wichtiges Ziel des Studios ist, einen Effekt über den universitären Rahmen hinaus zu erzielen, und zwar dadurch, dass wir am Ende davon vor Ort einen Keim der Veränderung gepflanzt haben. Dies kann eine durch eine Stiftung finanzierte Stelle sein, eine Bürogründung, eine langfristig angelegte Kooperation mit der Stadt.

Daher suchen wir auch nach Orten, an denen es wahrscheinlich ist, dass etwas bewegt werden kann hin zu einer anderen, ressourcengerechten, egalitären Lebensweise.

Wir verstehen das Studio als Lernumgebung, aber auch als „Training für die Zukunft“, und die Bewertung (Benotung) als Feedback darauf, wie dieses abgelaufen ist. Die Bewertung bezieht sich dabei explizit nicht nur auf das Endergebnis, sondern bezieht den Prozess während des Semesters mit ein, um diesen wertzuschätzen. Wir werden dabei auch während des Semesters zu vorher vereinbarten Zeitpunkten die Möglichkeiten diskutieren, wie wir Erreichtes evaluieren können. Auch die Lehrevaluation wird offen diskutiert.

Als offen verstehen wir das Studio aber auch in dem Sinne, dass Menschen von außerhalb des Studios/Studiums teilhaben können. Einerseits werden wir Expert:innen vorschlagen, die strategischen und methodischen Input beitragen, andererseits ermöglichen wir Euch Studierenden lokale Stakeholder:innen oder auch NGO’s und andere Gruppierungen einzuladen. Bewährte Kooperationen wie mit dem „Social Design Lab“ der Hans Sauer Stiftung sind bereits eingeplant.

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Das Thema „Roots / Wurzeln“ soll Ausgangspunkt für eine Reflexion darüber sein, wo wir eigentlich herkommen und wo dies noch immer wirksam ist. Welche Eindrücke unsere Tätigkeit bis heute und in der Zukunft prägen. Die Bewusstmachung dieser Erfahrungen ist ein wichtiger Schritt dahin, einen aktiven Umgang damit zu finden. Wir nähern uns dem in der ersten Woche über persönliche Geschichten an.

Zur Einführung sollt Ihr folgendes vorbereiten:

Eine kurze persönliche Vorstellung, in der Ihr Euch selbst und Eure Kompetenzen beschreibt. Worin seid Ihr gut? Was ist Eure "Superpower"? Was motiviert Euch am Open Studio X teilzunehmen?

Kurzvorstellung Eures Vorschlags für ein Entwurfs/Interventionsgebiet

Dieses soll als grober Richtwert ca 1x1km groß sein. Wichtiger als eine genaue Einhaltung dieses Wertes ist, sich den Ort als ein gelebtes Gebilde vorzustellen, dessen Grenzen sich eher alltagspraktischen und sozialen als geometrischen Dimensionen verpflichtet fühlen. Verwendet alle Medien und Materialien die Ihr als wichtig erachtet. Begeistert uns alle für "Euren" Ort, erzählt Geschichten von den Menschen dort, zeigt Bilder, teilt Erlebnisse, analysiert aber auch kühl, warum der Ort für das Studio geeignet ist, wo die Veränderungsnotwendigkeiten und die Potentiale liegen. Welche Fallstricke auf dem Weg dorthin auf uns warten werden, und welche Chancen Ihr seht. Insgesamt soll eure Präsentation nicht länger als 10 Minuten dauern.

Daran anschließend werden wir uns gemeinsam für einen der vorgestellten Orte entscheiden und diesen auch in Form einer Exkursion besuchen um diesen vor Ort besser kennen zu lernen.

Das Studio wird in in weiterer Folge als Gruppenarbeit durchgeführt. Kerngruppen von zwei bis vier Studierenden arbeiten an konkreten Vorschlägen für bestimmte Orte, während das Studio als Ganzes ebenfalls von Anfang an eine Gesamtgeschichte entwickelt. Die Person, dessen Vorschlag ausgewählt wurde, wird eine besondere Rolle als Moderator:in und Bindeglied einnehmen, aber auch ein fester Bestandteil einer Gruppe sein.

Wichtige Voraussetzung für das Studio ist die Offenheit, an jedem beliebigen Ort zu arbeiten (was in der Tat das tägliche Brot des Architekten und der Stadtplanerin ist), sich überraschen zu lassen und bereit zu sein, unsere Städte radikal neu zu denken.

Die Ergebnisse des Studios sollen idealerweise über den städtebaulichen Entwurf hinausgehend, langfristig wirkende Strukturen vor Ort aufbauen.

UD Final days 2022

Die Ergebnisse des Studios werden am 20. Juli in der Immathalle präsentiert. Diese ist vom 18.-20.7. von unserer Professur gebucht, um dort die Ergebnisse des BA-und MA-Studios, der Interventionsklasse sowie ggf. weiterer Formate und Initiativen auszustellen und mit unseren Gästen zu diskutieren.