Community Spaces
als Orte des Lernens im Fischerdorf Papela, Indonesien

Master Thesis AR (Englisch) · Wintersemester 2022/23 · Ginnya Pryscilla / Prayudi Sudiarto
Papela war bis 2016 ein Weiler und wurde anschließend als eigenständiges Dorf anerkannt. Seitdem erhält die Gemeinde finanzielle Mittel der lokalen Verwaltung, um ihre Infrastruktur schrittweise auszubauen. Im Mittelpunkt stehen die Verbesserung der Wohnverhältnisse, der Ausbau der Trinkwasserversorgung und der Gesundheitsinfrastruktur sowie der Bau neuer Straßen zur besseren Erreichbarkeit, insbesondere in Notfällen.
Das Dorf gliedert sich in die vier Ortsteile Tanjung Pasir, Tasisu, Anlaso und Manulalulean. Rund 2.200 Einwohnerinnen und Einwohner leben in Papela, von denen etwa 83 Prozent ihren Lebensunterhalt durch die Fischerei bestreiten. Die übrige Bevölkerung ist überwiegend in der Landwirtschaft und Viehzucht tätig. Aufgrund der trockenen und wenig fruchtbaren Böden bestehen hierfür jedoch nur eingeschränkte Voraussetzungen. Auch das Bildungsniveau war lange Zeit niedrig. Bis 2005 beendeten viele Fischer ihre Ausbildung bereits nach der Grundschule und arbeiteten anschließend auf See. Seit 2010 ist ein leichter Anstieg des Bildungsniveaus zu beobachten. Die Bevölkerung gehört überwiegend dem Islam an; daneben ist der Protestantismus vertreten. Medizinische Einrichtungen wie Kliniken oder Krankenhäuser existieren im Dorf nicht. Jeder Ortsteil verfügt jedoch über ein informelles Gesundheitszentrum mit dem Schwerpunkt auf der Versorgung von Müttern und Kindern.
Ausgehend von den Herausforderungen vor Ort untersuchte die Arbeit Beispiele anderer Fischergemeinden, die erfolgreich nachhaltigere Entwicklungsperspektiven geschaffen haben. Dabei zeigte sich, dass Nichtregierungsorganisationen einen wichtigen Beitrag leisten können, indem sie Wissen über nachhaltige Fischerei vermitteln, Weiterbildungsangebote schaffen und alternative Einkommensmöglichkeiten fördern. Ebenso erwies sich die Einbindung lokaler Autoritäten als wichtiger Baustein, um neue Kenntnisse innerhalb der Dorfgemeinschaft weiterzugeben.
Die Arbeit identifizierte drei zentrale Handlungsfelder für die zukünftige Entwicklung Papelas: Bildung, Geschlechtergerechtigkeit und alternative Erwerbsmöglichkeiten. Während formale Bildungsangebote in Fischergemeinden häufig eine untergeordnete Rolle spielen, bieten informelle Lernformate großes Potenzial. Gleichzeitig können insbesondere Frauen durch zusätzliche Einkommensmöglichkeiten zur wirtschaftlichen Stabilität ihrer Haushalte beitragen. Da die Fischerei nur begrenzt planbare Einkommen ermöglicht, gewinnen alternative Erwerbsformen zunehmend an Bedeutung.
Vor diesem Hintergrund entwickelte die Arbeit ein architektonisches Konzept für ein Netzwerk von Gemeinschaftsräumen. Diese dienen als Orte des informellen Lernens, der Qualifizierung und des sozialen Austauschs sowie als Marktplätze für kleinteilige wirtschaftliche Aktivitäten und gemeinschaftliche Arbeitsräume. Durch Beobachtungen, Interviews und die Dokumentation des Alltagslebens sowie Fokusgruppengespräche mit Fischerfamilien wurden die Bedürfnisse der Bevölkerung erfasst und in die Entwicklung des Konzepts einbezogen.
Auf Grundlage dieser Erkenntnisse entwickelte die Arbeit eine architektonische Strategie für ein Netzwerk von Gemeinschaftsräumen, die informelles Lernen, Kompetenzentwicklung und soziale Begegnung miteinander verbindet. Das Nutzungskonzept umfasst Lernräume, Arbeits- und Aufenthaltsbereiche, Sportangebote sowie kleinräumige Aufforstungsinitiativen. Durch einfache, lokal angepasste Bauweisen und ressourcenschonende Konstruktionsprinzipien reagiert der Entwurf auf die klimatischen Bedingungen und die verfügbaren Materialien der Region.








