Wohnen statt Waren
Ein urbaner Hybrid für Neuhausen
Master Thesis AR · Sommersemester 2025 · Philipp Dopfer
Der innerstädtische Einzelhandel befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Der zunehmende Onlinehandel führt zu erheblichen Marktanteilsverlusten stationärer Kauf- und Warenhäuser, wodurch zentrale Einkaufsbereiche zunehmend an Funktion und Frequenz verlieren. Diese Entwicklung eröffnet zugleich die Chance, monofunktionale Handelsimmobilien neu zu denken und in zukunftsfähige, gemischt genutzte Stadtbausteine zu transformieren. Dadurch entstehen Potenziale für neue Räume des Wohnens, der Bildung, Kultur, Produktion und Gemeinschaft sowie für eine stärkere soziale Teilhabe und den urbanen Austausch.
Der Galeria Kaufhof am Rotkreuzplatz in München steht exemplarisch für diese Entwicklung. Aufgrund seiner Größe, seiner zentralen Lage und seiner Tragstruktur bietet das Gebäude gute Voraussetzungen für eine nachhaltige Umnutzung. Die Arbeit entwickelte ein Transformationskonzept, das auf einer klar strukturierten Mischung aus öffentlichen Nutzungen und Wohnraum basiert.
Im Erdgeschoss bleiben kleinteilige Einzelhandels- und Gewerbeeinheiten erhalten, die die Nahversorgung des Quartiers sichern. Zum Rotkreuzplatz entsteht ein flexibel nutzbarer, überdachter Stadtraum, der kulturelle, handwerkliche und produktive Nutzungen miteinander verbindet. Großzügige Deckenöffnungen verknüpfen Erd- und Untergeschoss räumlich und aktivieren zusätzliche Flächen für öffentliche Programme. Oberlichter verbessern zugleich die Belichtung der tiefen Gebäudebereiche.
Im ersten Obergeschoss bildet eine offen organisierte Bibliothek den zentralen Begegnungsort, ergänzt durch Ateliers und gemeinschaftlich nutzbare Räume. In den darüberliegenden Geschossen entstehen 118 Wohneinheiten für rund 330 Bewohnerinnen und Bewohner. Der Wohnungsmix umfasst kompakte Apartments, Familienwohnungen und Clusterwohnungen und reagiert damit auf unterschiedliche Lebensmodelle. Gemeinschaftsflächen wie der Innenhof, die Dachterrasse und die Salle Commune fördern das nachbarschaftliche Zusammenleben. Ein intensiv begrünter, erhöhter Gemeinschaftshof verbessert das Mikroklima und verbindet Innen- und Außenräume.
Als multifunktionale soziale Infrastruktur entwickelt die Arbeit den ehemaligen Kaufhof zu einem Urban Condenser, der unterschiedliche städtische Nutzungen bündelt und durch Nutzungsmischung sowie soziale Dichte einen Beitrag zur Revitalisierung der Münchner Innenstadt leistet.












