Theorie und Geschichte
Lehrveranstaltungen Bachelor
Kunstgeschichte
UNTER PALMEN AM STRAND.
Architektur und Tourismus
Dozent: Prof. Dietrich Erben
Wann: Mittwoch 13.15-14.45 Uhr
Beginn: 15.04.2026
Ort: Bibliothek, Gabelsbergerstr. 49, IV. Stock
In der Ära der Globalisierung haben die Bewegungsströme von Menschen in riesigem Umfang zugenommen. Der unfreiwilligen, durch Armut und andere soziale Missstände erzwungenen Mobilität steht die freiwillige, durch Wohlstand ermöglichte Mobilität des Tourismus gegenüber. Der moderne Massentourismus setzt erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Während sich nun der Erholungsurlaub als Geschäftszweig der Freizeitindustrie etabliert, werden für den Reisenden Landschaft und regionale Kultur zu Waren des Konsums. Es versteht sich von selbst, dass Architektur im Rahmen einer touristischen Infrastruktur unverzichtbar ist.
Das Seminar fragt nach den dafür relevanten Bauaufgaben und nach deren speziellen Funktionen und Erscheinungsformen vom späten 19. Jahrhunderts bis zu den Massenquartieren der Sommer- und Winterresorts in der Gegenwart. Dabei kann Architektur nicht nur als eine notwendige Rahmenbedingung des Tourismus verstanden werden, sondern sie ist stets darauf ausgerichtet, durch ihre bauliche Inszenierung die Erwartungen des Reisenden zu befriedigen. Damit geht es einmal mehr um die Mitteilungsfähigkeit von Architektur jenseits unmittelbarer praktischer Zweckerfüllung.
Kunstgeschichte
NICHT IMMER SPANNEND.
Architektur kritisieren
Dozent: Dr. Achim Reese
Termin: Mittwoch 13.15 – 14.45 Uhr
Beginn: 15.04.2026
Ort: Bibliothek, Gabelsbergerstr 49, IV. Stock
Wenn es um Architektur geht, hat fast jede:r eine Meinung. Deutlich schwerer fällt es, die eigene Einschätzung zu begründen. Mehr oder minder fixe Kriterien, wie sie einstmals aus antiken oder frühneuzeitlichen Texten abgeleitet wurden, stehen uns nicht länger zur Verfügung. Folglich gezwungen, uns in einem fortlaufenden Dialog über die Vorzüge oder auch Unzulänglichkeiten von Bauten und Entwürfen zu verständigen, fehlen oftmals Bewertungskriterien und Begrifflichkeiten.
Gegenwärtig stellt sich zudem die Frage nach den Orten, an denen über Architektur gestritten werden kann. Nicht anders als die Fachzeitschriften haben auch die Tageszeitungen im Zuge der Digitalisierung an Reichweite und Relevanz verloren; hingegen scheint die Architekturkritik in den sozialen Medien oftmals oberflächlich und einseitig zu bleiben.
Soll das Seminar dementsprechend die verschiedenen Medien der Architekturkritik beleuchten, muss es auch die Maßstäbe betrachten, die die Autor:innen an Bauten und Entwürfe anlegen. Anhand von Besprechungen, die vorrangig auf ein Fachpublikum abzielen, und Rezensionen, die sich an eine breitere Öffentlichkeit richten, ist zudem eine Untersuchung der Ausdrucks- und Argumentationsweisen beabsichtigt. Neben einer Beschäftigung mit der Geschichte der Architekturkritik soll das Seminar schließlich Raum für praktische Übungen zur Betrachtung, Beschreibung und Beurteilung der Architektur bieten.

Ausstellungsansicht: Aby Warburg: Bilder-Atlas Mnemosyne. Das Original, Haus der Kulturen der Welt, Berlin, 04.09.–01.11.2020; © Silke Briel/HKW.
Kunstgeschichte
WISSEN HINTER DEN KULISSEN?
Infrastrukturen, Praktiken und Prozesse von Wissensproduktion
Dozentin: Dr. Magdalena Becker
Termin: Freitag, 9.45-12.00 Uhr
Beginn: 17.04.2026
Ort: Bibliothek, Gabelsbergerstr 49, IV. Stock
Museen und Universitäten sind prominente Orte der Wissensvermittlung – doch was passiert hinter den Kulissen dieser öffentlichen Institutionen? Wie entsteht das zu vermittelnde Wissen aus Objekten, Bildern, Modellen und Dokumenten? Das Seminar begibt sich auf Spurensuche in Werkstätten, Lehrsammlungen, Archiven und Phototheken und untersucht diese Orte als aktive Produktionsräume von Wissen. Im Mittelpunkt steht dabei stets die Frage, wie die strukturellen Bedingungen dieser Orte, die Genese von Wissen prägen.
Künstler:innen des 20. und 21. Jahrhunderts setzen sich kritisch mit den jeweilig zugeschriebenen Funktionen des Sammelns, Organisierens, Visualisierens, Didaktisierens und Materialisierens auseinander. Anhand ausgewählter Arbeiten von beispielsweise Walid Raad, Theaster Gates, Andrea Fraser und Bernd und Hilla Becher beleuchten wir die Frage nach den selektiven Strukturen institutioneller Wissensproduktion und reflektieren das Potential künstlerischer Gegenentwürfe.
Gemeinsam besuchen wir in vier Exkursionen verschiedene Orte der Wissensproduktion in München.
Durch die Exkursionstermine findet das Seminar im geblockten Rhythmus, freitags von 9:45 – 12:30 Uhr, statt.
Die genauen Termine werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben.
Kunstgeschichte
BEZIEHUNGSGESCHICHTEN.
Landschaft und Architektur in Münchner Parks
Dozent: Prof. Dietrich Erben
Termin: Freitag, 10.15-11.45 Uhr
Beginn: 17.04.2026
Ort: Bibliothek, Gabelsbergerstr 49, IV. Stock
Als Landschaft gestaltete Natur und Bauwerke stehen zueinander in einer vielfältigen, bisweilen harmonischen, bisweilen spannungsgeladenen Beziehung. Oft waren Gärten erste Experimentierfelder für neue Entwurfsideen in der Architektur. Architektur und Landschaft sind sich darin gleich, dass es sich um artifizielle Medien handelt. So wie ein Garten die Rekonstruktion des ersten aller Gärten, des Paradieses, ist, so verweist Architektur immer wieder zurück auf das erste Haus, die Urhütte. In beiden Medien gelangen damit auch Wunschbilder der Welt zum Ausdruck, Parks und Bauwerke sind ein Spiegel utopisch gefasster Gesellschaftsverhältnisse.
Im Seminar soll der Frage nachgegangen werden, wie Gestaltungsansprüche und Entwurfsideen bei den Raumplanungen in Parks umgesetzt werden, bei denen gestaltete Natur und Architektur zusammengeführt werden. Das Seminar spannt einen Bogen von der Gartenkunst der Renaissance bis in die Gegenwart anhand exemplarisch ausgewählter Anlagen in München. Einzelne, für die Entwicklung wichtige Gärten wie der Hofgarten, der Englische Garten oder der Olympiapark werden im Rahmen von Stadtrundgängen vor Ort besichtigt. Das Seminar soll in die Analyse von Parkanlagen unter dem besonderen Blickwinkel der Synthese von Landschaft und Architektur einführen; neben den Gestaltungsprinzipien soll der Wandel in Funktion und Nutzung der Parks erörtert werden.


