Theorie und Geschichte
Lehrveranstaltungen Master
Lektürekurs zur Architekturtheorie
FORM UND REFORM.
Architekturen der gesellschaftlichen Veränderung
Dozent: Dr. Achim Reese
Termin: Donnerstag, 15.00-16.30 Uhr
Beginn: 16.04.2026
Ort: Bibliothek, Gabelsbergerstr 49, IV. Stock
Wer in der Architektur von ‚Form‘ spricht, macht sich schnell verdächtig: Allzu unklar scheint die Abgrenzung
zu einem architektonischen Formalismus, der andere, etwa soziale Aspekte, überschattet. Allerdings haben Reformbewegungen der architektonischen Gestalt gesellschaftliche Bedeutungen beigemessen und versucht, sozialen Anliegen mittels neuer Formen zum Durchbruch zu verhelfen. Für die Arts and Crafts-Bewegung und den Deutschen Werkbund gilt das ebenso wie für die Vereinigung De Stijl oder das Bauhaus.
Im Mittelpunkt des Seminars stehen entsprechende Bestrebungen zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts und der Zwischenkriegszeit. Soll die Beschäftigung mit den architekturtheoretischen Überlegungen der Aufklärungszeit zudem die Hintergründe dieser Bemühungen beleuchten, wird das Seminar auch das Fortleben dieser Ansätze bis in die Gegenwart verfolgen.
Ebenso wie der Frage, welche Potentiale der Form durch verschiedene Reformbewegungen zugeschrieben wurden, wird sich die Lehrveranstaltung den gesellschaftlichen Vorstellungen widmen, die auf diese Weise vermittelt werden sollten; dabei sind auch institutionelle und ökonomische Zusammenhänge zu berücksichtigen. Entscheidende Bedeutung kommt in diesem Zuge dem vielfach problematisierten Verhältnis zwischen Form und Funktion zu, das eine jede Entwurfstätigkeit begleitet.
Ergänzend zum Seminar wird eine Exkursion ins Ruhrgebiet angeboten:
Lektürekurs zur Architekturtheorie
FORM UND REFORM.
Exkursion ins Ruhrgebiet
Dozenten: Dr. Achim Reese, Prof. Dietrich Erben
Termin: 18. bis 20. Juni 2026
Exkursion: Ruhrgebiet
Im Zuge der Industrialisierung entwickelte sich das Ruhrgebiet im 19. Jahrhundert zu einem wirtschaftlichen Zentrum von herausragender Bedeutung. Sollte sich die Region schon durch den Bergbau grundlegend verändern, verlangten neben der Entstehung von Fertigungsstätten und Infrastrukturen auch die damit einhergehenden Migrationsbewegungen nach neuen gestalterischen Ansätzen. Ein ‚Westdeutscher Impuls‘, der zur Zeit des ausgehenden Kaiserreichs von der Region ausging, beeinflusste dabei nicht nur die Kunst, sondern auch die Architektur der Moderne.
Dementsprechend sollen im Zuge der Exkursion neben frühen Arbeitersiedlungen auch Reformprojekte wie die Essener Margarethenhöhe besucht werden. Zeigt die Zeche Zollern in Dortmund das Bestreben, Arbeitsstätten gleichfalls eine neue Gestalt zu geben, greifen auch Karl Ernst Osthaus’ Hagener Bemühungen um eine Verbindung von Kunst und Alltag den avantgardistischen Tendenzen der Zwischenkriegszeit vor.
Als maßgeblicher Standort der Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, war das Ruhrgebiet für die junge Bundesrepublik abermals von enormer ökonomischer Relevanz. Lange bevor der Übergang in ein postfossiles Zeitalter eingeläutet wurde, machte allerdings die ‚Kohlekrise‘ einen industriellen Strukturwandel erforderlich, der im Ruhrgebiet frühzeitig außergewöhnlichen Ausdruck gefunden hat. Auf den Neubau der Ruhruniversität Bochum trifft das ebenso zu wie auf die IBA Emscherpark, die zehn Jahre währte und einem Projektgebiet von 800 Quadratkilometern galt.
Die Exkursion findet zwischen dem 18. und dem 20. Juni statt. Eine Vorbesprechung ist für den Beginn des Sommersemesters geplant, ein Termin wird noch bekanntgegeben.

