Theorie und Geschichte
Lehrveranstaltungen Bachelor
Architekturtheorie
REDEN UND SCHREIBEN ÜBER ARCHITEKTUR
Dozent: Prof. Dietrich Erben
Termin: Dienstag, 12:00-12:45 Uhr
Beginn: 13. Oktober 2026
Ort: N1070ZG, Lothar Rohde HS
Architektinnen und Architekten reden und schreiben ihr ganzes Studien- und Berufsleben lang, auch wenn sie sich dessen vielleicht gar nicht so recht bewusst sind. Das Modul möchte den schlichten Sachverhalt deutlich ins Bewusstsein rücken, dass das Bauen in vielfältiger Weise Kommunikation voraussetzt und selbst Kommunikation ist. Ziel der Vorlesungsreihe ist es, die Fülle der Gelegenheiten, in denen mündliche oder schriftliche Mitteilungen notwendig sind, zu analysieren. Dabei kommen nicht nur verschiedene Situationen des Austauschs in den Blick, sondern auch unterschiedliche Sorten von Texten. Bei den Situationen geht es etwa um Entwurfskritiken oder um Wettbewerbe; bei den Texten geht es etwa um Skizzenbücher, Architekturkritiken oder Homepages von Architekturbüros.
Die Veranstaltung ist als Reihe von kürzeren Vorträgen mit Diskussion aufgebaut, an ihr beteiligen sich mehrere Professuren des Departements Architektur.
Vorlesung zur Architekturgeschichte
ARCHITEKTUR DER WELTAUSSTELLUNGEN
Dozent: Prof. Dietrich Erben
Termin: Montag, 11:30-13:00 Uhr
Beginn: 19.10.2026
Ort: HS 1100
Weltausstellungen sind Spektakel nationaler Selbstdarstellung, Orte kultureller Standort-bestimmungen und Symbole von Fortschritt und Modernisierung. Als solche sind sie stets auch Experimentierfelder für neue architektonische Entwicklungen. Diese vielfältigen Funktionen sind bereits bei der ersten Weltausstellung, die 1851 im Crystal Palace in London abgehalten wurde, ablesbar, und sie gelten bis heute. Die kaum überbietbaren und nicht zuletzt kostspieligen Ansprüche finden in den Weltausstellungsgebäuden vielleicht sogar noch vor den Ausstellungsgegenständen selbst ihren deutlichsten Ausdruck. Weltausstellungen sind für die Architektur von jeher Laboratorien, in denen die neuesten gestalterischen und technischen Errungenschaften präsentiert werden. Die Vorlesung zeichnet die Geschichte der Weltausstellung vom Beginn in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart nach und macht den Versuch, anhand des speziellen Themas in die Architekturgeschichte dieser anderthalb Jahrhunderte einzuführen. Vor dem Hintergrund der sich wandelnden gesellschaftspolitischen Entwicklungen soll nach den urbanistischen Konzepten der Ausstellungsarchitektur und nach den symbolischen Ausdruckformen der Architektur gefragt werden.
Architekturgeschichtliche Übungen
STÄRKER, SCHÖNER, KLÜGER
Der Neue Mensch und die Architektur
Dozent: Dr. Achim Reese
Termin: Donnerstag 11.30 – 13.00 Uhr
Beginn: 15. Oktober 2026
Ort: Bibliothek, Gabelsbergerstr. 49, IV. Stock
Bei den Enhanced Games, die im Frühjahr 2026 in Las Vegas stattfanden, waren technische Hilfsmittel und leistungssteigernde Substanzen zugelassen, um die biologischen Grenzen des menschlichen Körpers zu überschreiten. Ungeachtet der grossen Debatte, die sich im Vorfeld der Sportveranstaltung entzündete, ist das Bemühen um eine ‚Vervollkommung‘ des Menschen keineswegs neu. Bei aller Verschiedenheit der Methoden und Ziele gelangten entsprechende Bestrebungen etwa im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert in der Figur des Neuen Menschen zum Ausdruck. Das Seminar geht der Frage nach, wie bildende Kunst und Architektur diesen Neuen Menschen nicht nur darstellten, sondern auch zu seiner Formierung beitragen wollten. Indem der Neue Mensch jenseits der Utopie oder literarischen Figur vor allem als anthropologisches Leitbild und gesellschaftliches Projekt verstanden wird, rücken die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen in den Fokus: Wo die Lebensreform nach Antworten auf Industrialisierung und Urbanisierung suchte oder die Neue Frau der Weimarer Republik sich von traditionellen Rollenvorstellungen löste, konnte die Vorstellung des Neuen Menschen ein emanzipatorisches Potenzial entwickeln; in Gestalt des sowjetischen sozialistischen Menschen oder eines nationalsozialistischen Herrenmenschen geriet er hingegen zum Instrument der Disziplinierung und Unterdrückung. Weitaus schwieriger zu beurteilen ist das Verständnis des Neuen Menschen in der architektonischen Debatte der Zwischenkriegszeit.
Besondere Aufmerksamkeit muss daher der Architektur und ihrer Einrichtung gelten, die zusammen mit den Äusserungen von Auftraggeber:innen, Architekt:innen und Kritiker:innen zu betrachten sind. Dabei gilt es auch zu analysieren, wie sich das Neue Bauen dem Neuen Menschen als einer Argumentationsfigur bediente. Schliesslich stellt sich damit auch die Frage, welche Bedeutung der gebauten Umwelt im Zeitalter des Transhumanismus zukommen kann.
Kunstgeschichte
VON WEGEN: DIE FORM FOLGT DER FUNKTION!
Bauen jenseits der Zweckrationalität
Dozent: Prof. Dietrich Erben
Termin: Montag 15:30-17:00 Uhr
Beginn: 19. Oktober 2026
Ort: Bibliothek, Gabelsbergerstr. 49, IV. Stock
Wenn nicht alles täuscht, entwickelt sich in der Gegenwartsarchitektur seit ein paar Jahren ein Trend zum Archaischen: Der konstruktiven Leichtigkeit und dem medialen Flimmern der Architektur tritt die Materialschwere und die Geologisierung der Architektur an die Seite. Es gibt weltweit neue Bauten in Steinbrüchen, deren Entstehung aktuell von einem architekturtheoretischen Nachdenken über ein Bauen jenseits der Zweckrationalität begleitet wird. Architektur wir hier nicht mehr ausschließlich als Raumprogramm verstanden, sondern als Ort einer ökologischen „Versöhnung“ mit den Baumaterialressourcen.
Das Seminar widmet sich diesem Trend in einer weiter ausholenden historischen Perspektive. Denn ein Blick in die Architekturgeschichte zeigt, dass die Forderung „Form Follows Funktion“ von jeher immer nur eine einzelne Option war. Dies zeigt sich beispielhaft an Kirchen- und Kulturbauten, die im Zentrum des Seminars stehen.
Im Rahmen des Seminars ist im Rahmen von einzelne Stadtrundgängen die Besichtigung Münchner Bauten geplant.
Kunstgeschichte
KOPIE UND MIMIKRY
in der Architektur
Dozentin: Dr. Katja Schröck
Termin: Montag 15.30-17:00 Uhr
Einführung: 16.10.2026, 10 Uhr
Ort: Bibliothek, Gabelsbergerstr 49, VI. Stock
Architekturkopien begegnen uns in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen: als Rekonstruktionen verlorener Bauten, als historistische Wiederholungen, als touristische Attraktionen oder als nahezu identische Nachbauten an einem anderen Ort. Doch was geschieht, wenn Architektur kopiert wird? Bleibt eine Kopie an ein vermeintliches Original gebunden, oder erzeugt sie durch die Übertragung in einen neuen räumlichen, kulturellen und politischen Kontext etwas Eigenständiges?
Die Lehrveranstaltung untersucht Formen architektonischer Kopie, Mimikry und Rekonstruktion vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Anhand internationaler Fallbeispiele werden Fragen nach Original und Authentizität, Erinnerung und Repräsentation, kultureller Aneignung, Autorschaft und Eigentum diskutiert.
Kunstgeschichte
MÜNCHEN DEKOLONIAL?
Fotografische Polyloge im Stadtraum
Dozentin: Dr. Sarah Hegenbart
Termin: vierzehntägig freitags 10.00-13.00 Uhr
Beginn: 16.Oktober 2026
Ort: Seminarraum 306, Gabelsbergerstr. 49 III. Stock
Kurz nach dem Oktoberfest, das in seiner Geschichte auch mit kolonialen Ausstellungspraxen und Repräsentationsformen verbunden ist und bis heute zur Inszenierung und Reproduktion eines bayerischen Selbstverständnisses beiträgt, stellt sich erneut die Frage, wie stark Kolonialität noch immer in den Münchner Stadtraum eingeschrieben ist. Dementsprechend beschäftigt sich dieses Seminar mit der Verflechtung unterschiedlicher Narrative aus europäischen und nicht-europäischen Regionen.
Im Fokus steht dabei die Auseinandersetzung mit der künstlerischen und fotografischen Praxis von Philip Kojo Metz. Seine Beschäftigung mit deutsch-ghanaischen Verflechtungs- und Kolonialge-schichten verdeutlicht, dass auch Prozesse der Kanonisierung von Wissen neu gedacht und kritisch hinterfragt werden müssen. Neben einem Input im Rahmen einer Blockveranstaltung mit Philip Kojo Metz werden wir uns bei Besuchen verschiedener Ausstellungen (u. a. „Tomás Saraceno. Verwobe-ne Welten“ im Haus der Kunst und „Carrying“ im Museum Brandhorst) mit miteinander verwobenen Geschichten, Perspektiven und Wissensformen auseinandersetzen.
Ziel des Seminars ist die Entwicklung und Ausarbeitung einer eigenen fotografischen Arbeit. Das Seminar findet vierzehntägig freitags von 10–13 Uhr statt. Die Teilnahme an der Einführungsver-anstaltung am 16. Oktober 2026 sowie am Workshop (30.Oktober 2026) mit Philip Kojo Metz ist verpflichtend.
Kunstgeschichte
UNFERTIG
Architekturen des Aus- und Umbauens
Dozent: Dr. Achim Reese
Termin: Freitag 10.00 - 11.30 Uhr
Beginn: 16. Oktober 2026
Ort: Seminarraum 403, Gabelsbergerstr 49, IV. Stock
Architektur und Design des frühen 20. Jahrhunderts zeichneten sich durch weitreichende Gestaltungsansprüche aus. Während Vertreter:innen des Jugendstils auch die Kleidung der Bewohner:innen als Bestandteil eines Gesamtkunstwerks mitentwarfen, organisierte der Funktio-nalismus der Zwischenkriegszeit mitunter sogar die Bewegungsabläufe der Nutzer:innen. Allerdings hat auch die Moderne Planungen hervorgebracht, die nicht als abgeschlossen verstanden wurden, sondern eine Aneignung durch die Nutzer:innen ermöglichten.
Zu finden ist diese ‚offene Architektur‘ in den verschiedensten Massstäben: Während die Zeitschrift Bauwelt nach der Weltwirtschaftskrise des Jahres 1929 den Wettbewerb zu einem Wachsenden Haus ausschrieb, arbeitete Le Corbusier an den Plänen einer Grossstruktur, die individuellen Wohn-bauten Platz auf mehreren Etagen geboten hätte. Dieser Plan Obus geht den Raumstadtplanungen der Sechzigerjahre voraus, die oftmals ohne Umsetzung geblieben sind, während Architekt:innen wie Nicolaas John Habraken die Möglichkeiten von structure und infill für den Wohnungsbau aufzeigten. Mit Begriffen wie incremental housing oder open building bezeichnet, zeugen die Aus-baustrukturen des chilenischen Büros Elemental ebenso wie die Utrechter ‚Superlofts‘ oder das Projekt ‚Grundbau und Siedler‘ in Hamburg-Wilhelmsburg von der fortdauernden Relevanz dieser Überlegungen
Das Seminar fragt nach dem gesellschaftlichen Kontext, in dem diese Planungen entstanden sind. Zu berücksichtigen sind dabei feministische Untersuchungen, die das emanzipatorische Potenzial von Um- und Ausbauten aufgezeigt haben, während die Möglichkeiten zur individuellen Gliederung der innerstädtischen Eigentumswohnung zugleich als Verkaufsangebot auf dem Immobilienmarkt dient. Die Lehrveranstaltung soll deshalb auch die Adressat:innen dieser Projekte in den Blick neh-men und schliesslich die Frage stellen, wie das Konzept der ‚offenen Architektur‘ zu veränderten Erwartungen an die Architekt:innen führt.