
PRODUKTIVES STADTQUARTIER
Wohnen am Großmarkt
»To understand cities, we have to deal outright with combinations or mixtures of uses, not separate uses, as the essential phenomena.«
Jane Jacobs in: The Death and Life of Great American Cities (1961), S. 144.
Über Jahrhunderte hinweg war die Stadt ein Ort der Produktion – Handel, Gewerbe, Handwerk und Wohnen waren eng miteinander verwoben und prägten gemeinsam den urbanen Alltag. Vielfältige Räume der Produktion wie Werkstätten, Läden und Lager waren selbstverständlicher Bestandteil des Stadtgefüges und befanden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wohnen. Diese enge Nutzungsmischung brachte jedoch auch Belastungen mit sich: Lärm, Gerüche und Emissionen warfen zunehmend Fragen im Hinblick auf Hygiene und Gesundheit auf. Mit der Industrialisierung und einer zunehmenden Regulierung dieser Belastungen wurden produzierende Betriebe schrittweise aus den Wohnquartieren verdrängt und in die Peripherie verlagert. Die funktionale Trennung von Wohnen und Arbeiten wurde zum Leitbild der modernen Stadt. Mit ihr gingen jedoch nicht nur kleinmaßtäbliche Orte der Produktion, sondern auch Formen unmittelbarer Nachbarschaft verloren – und damit räumliche Nähe und Nutzungsmischung. (vgl. Löhr 1996).
In diesem Semesterentwurf untersuchen wir das Großmarktareal in München auf der Ebene der Stadt, des Quartiers und des Hauses. Auf dem rund 25 Hektar großen Gelände soll langfristig ein neues, produktives Stadtquartier entstehen, das Wohnen, Gewerbe und Produktion sowie öffentliche Nutzungen miteinander verbindet.
Wir entwickeln eine städtebauliche Strategie für das gesamte Gebiet: Wie kann aus dem heute weitgehend abgeschlossenen Funktionsareal ein lebendiges und vielfältiges Stück Stadt werden, das an das bestehende Stadtgefüge anknüpft und zugleich eine eigene Identität entwickelt?
Ausgehend von der städtebaulichen Gesamtidee wird der Entwurf auf der Ebene einzelner Parzellen vertieft. An diesem konkreten Ort untersuchen wir, wie sich die übergeordneten städtebaulichen Strategien in Architektur übersetzen lassen. Im Zentrum steht dabei das Wohnen: Welche unterschiedlichen Wohnformen und räumlichen Organisationsmodelle können an einem produktiv geprägten Ort entstehen? Wie lassen sich Räume für Gewerbe und Produktion integrieren, sodass ihre unmittelbare Nähe neue räumliche Qualitäten und Formen des Zusammenlebens ermöglicht?
Gesucht werden Entwürfe, die vom großen städtebaulichen Zusammenhang bis zum einzelnen Baustein denken, den Ort fortschreiben und einen eigenständigen Beitrag zum Weiterbauen der Stadt leisten.
Projekt Bachelor / Master, 12+3 ECTS
Termine
Mi 14.10.2026 07:45 - Führung Großmarkt
Mi 14.10.2026 14:00 - Einführung Raum2360
Mi 11.11.2026 + Do 12.11.2026 - Review 1°
Mi 02.12.2026 - Review 2°
Mi 13.01.2027 - Review 3°
Mi 03.02.2027 - Schlusskritik
Team
Sven Grothues
Zora Syren
Jana Hartmann
Luis Huber
Lavinia Wagner
Minh Vu Tran-Huu
Kontakt: sven.grothues@tum.de, zora.syren@tum.de,