Der Umbau von Heimat. Umnutzungen im ländlichen Bestand der deutschsprachigen Alpenregionen zwischen 1960 und 1980.

Das Dissertationsvorhaben untersucht Transformationsprozesse im ländlichen Baubestand des deutschsprachigen Alpenraums zwischen 1960 und 1980 – einer Phase tiefgreifender gesellschaftlicher, ökonomischer und ökologischer Umbrüche. Während die Forschung diesen Zeitraum bislang vor allem unter dem Aspekt des Verlusts vorindustrieller Bausubstanz betrachtet hat, rückt die Arbeit produktive und nachhaltige Auseinandersetzungen mit dem Bestand durch Umbau und Umnutzung in den Fokus.
Im Zentrum steht die Frage, wie veränderte Lebensstile, neue Umwelt-, Natur- und Denkmalschutzdiskurse den Umgang mit bestehender Architektur prägten. Besondere Aufmerksamkeit gilt Akteurinnen und Akteuren, die von außen in den Alpenraum kamen und ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebäude in neue Lebens- und Arbeitsmodelle integrierten. Dabei werden insbesondere alltägliche, oft in Eigeninitiative und mit geringem Technikeinsatz realisierte Umbauten zu Freizeitwohnsitzen als bislang unterschätzte Beispiele suffizienter Baupraxis untersucht.
Die Arbeit geht von einer systemischen Wechselwirkung zwischen Umwelt, Bauwerk und Nutzern aus, die sich in Prozessen der Reparatur, Anpassung und Umnutzung manifestiert. Anhand ausgewählter Fallstudien im Alpenraum – basierend auf Archivrecherchen, Bauakten, Bildquellen, Interviews sowie typologischen Vergleichen – wird analysiert, wie mit der Geschichte der Gebäude umgegangen wurde, wie Umbauten technisch umgesetzt waren und welche langfristige Dauerhaftigkeit die neuen Nutzungen entwickelten.
Ziel ist es, die ökologischen, sozialen und bautechnischen Qualitäten dieser historischen Umbaupraktiken zu rekonstruieren und daraus Handlungsräume für den heutigen Umgang mit baulichem Erbe im ländlichen Raum abzuleiten. Damit schließt die Arbeit eine Forschungslücke zwischen Architekturgeschichte, Denkmalpflege und Nachhaltigkeitsforschung und leistet einen Beitrag zur aktuellen Bauwende. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in praxisnahe Strategien überführt werden, die eine klimafreundliche, sozial verträgliche und landschaftsverträgliche Weiterentwicklung alpiner Natur- und Kulturlandschaften fördern und zugleich Herausforderungen wie Zersiedelung, Leerstand und Übertourismus adressieren.
Magdalena Schmid, Dipl. Ing. (FH), M.A., M.Sc.
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