Projektplattform Wintersemester 2021 / 2022

schwæmmLANDSCHAFT . Wasserregime der Altmühl

Thema. Fließgewässer rücken derzeit in den Fokus der Politik, weil von ihnen Gefahren ausgehen. In den vergangenen 200 Jahren wurden die großen Flüsse und kleinen Bäche in Deutschland nahezu vollständig ‚korrigiert‘ und in künstliche Bahnen gelenkt, um die angrenzenden Gebiete und den Fluss als Wasserstraße besser nutzen zu können. Nicht zuletzt war zudem das Ziel, Hochwasserereignisse besser kontrollieren zu können. Dementsprechend wurde auch der mäandrierende Verlauf der Altmühl von seiner Quelle bis zur Mündung in die Donau in Kelheim so reguliert, dass sie in einem gleichförmigen Bett fließt. Den größten Eingriff entlang der Altmühl stellt der umstrittene Bau des Main-Donau-Kanals dar, der das Alltagsleben im Tal sowie den Landschaftscharakter und die Ökologie des Altmühltales tiefgehend verändert hat.

Aufgabe. Das Ergebnis wird heute kritisiert. „Die Altmühl ist zu einem monotonen, strukturarmen „seelenlosen Altmühlkanal“ verkommen, der den natürlichen Lebensraum in der Talaue sehr stark einschränkt und sich nachteilig auf die Gewässerökologie wie auch auf das Landschaftsbild auswirkt.“ (Wasserwirtschaftsamt Ansbach) Von institutioneller Seite wird daher eine „ökologische Umgestaltung“ angestrebt, um neue Habitate entlang des Flusses zu schaffen. Zudem muss in Zeiten von längeren Trockenperioden und heftigeren Starkregenereignissen aufgrund des Klimawandels versucht werden, möglichst viel Wasser in der Landschaft zu halten. In diesen Umbauprogrammen wird Wasserrückhalt kleinräumlich im Bereich des Flusslaufs angestrebt, nicht jedoch auf den Flächen in der Umgebung und den Siedlungsgebieten. Eine rein ökologisch-funktionale Betrachtung der zu bauenden Strukturen an den Gewässern verliert zudem aus dem Blick, dass eine Hinwendung zum Wasser auch soziale Qualitäten der Landschaft erzeugen muss.  

Bachelorprojekt schwAmmLANDSCHAFT

Flusstransekte der Altmühl. Im Bachelorprojekt sollen Freiräume typologisch entworfen werden, die im näheren oder weiteren Zusammenhang mit der Altmühl Wasser wie ein Schwamm in der Landschaft halten können und gleichzeitig weitere soziale Nutzungen ermöglichen. Das Ziel ist, nicht großflächig Polderflächen für das Wasser oder den Naturschutz zu reservieren, sondern in den bestehenden Raumstrukturen Potentiale zu nutzen. Hier kommen sowohl Siedlungsflächen als auch landwirtschaftliche Flächen in Betracht, die schließlich als Schwamm einen Mehrwert für die Öffentlichkeit generieren sollen. Ähnlich wie man Menschen in Städten in den letzten Jahrzehnten wieder Zugang zum Wasser gewährt, soll dies auch in der Landschaft umgesetzt werden. Zwischen dem Altmühlsee und dem Zusammenfluss mit dem Main-Donau-Kanal bei Dietfurt sollen im Entwurf an einem frei wählbaren Ort dafür Lösungen gefunden werden, die als neue Freiraumtypologien entlang der Altmühl etabliert werden können.

Masterprojekt schwEmmLANDSCHAFT

Freiraumplanerisch-Städtebaulicher Entwurf für Kelheim. Im Masterprojekt untersuchen wir, wie sich die Städte entlang der Donau heute vor Hochwasser schützen. Für die Stadt Kelheim, in der die Altmühl in Form des Main-Donau-Kanals in die Donau fließt, sind Prinzipien zu entwerfen, nach denen sich die Stadt in Zukunft entwickeln kann. In städtebaulichen und freiraumplanerischen Konzepten ist zu klären, wie hier eine Zuwendung zum Wasser gelingt und wie gleichzeitig zukunftsweisender, integrierter Hochwasserschutz aussehen muss. Hieraus sollen neue Freiraumtypologien hervorgehen, die in der Lage sind, zwischen Naturschutz, Hochwasserschutz, Siedlungsentwicklung und sozialen Ansprüchen auszubalancieren. Diese sind auf den verschiedenen topographischen Höhenstufen in der Stadt unterschiedlich auszuprägen.

Projektorganisation

Analyse. Als Grundlage für alle Entwürfe soll das Gesamtsystem Altmühl und ihre Wechselwirkungen mit der Donau verstanden werden. Dafür betrachten wir die Altmühl und die Donau im gesamten Bereich der Altmühlalb und des Schwäbisch-Frankischen-Albvorlandes. Darüber hinaus setzen wir uns mit den Auswirkungen des Klimawandels in dieser Region auseinander, befassen uns mit dem bisherigen Umgang mit Umweltkatastrophen sowie den regulierenden Eingriffen und ihren Konsequenzen und finden heraus, welche Potentiale in bestehenden und historischen Landschaftsstrukturen liegen.

Exkursion. Neben einer geplanten Exkursion sollen die Studierenden die aus Karten und Luftbildern gewonnenen Erkenntnisse selbstständig vor Ort überprüfen und erweitern.

Weiterführende Links
Kulturlandschaftliche Gliederung Altmühlalb (LfU)
Die Altmühl (Wasserwirtschaftsamt Ansbach)