KLEINstatt GROSS
Stadtpotential Eichstätt

Master Thesis ULS · Sommersemester 2022 · Laura Tutsch / Alex Meyer
Die Corona-Pandemie beschleunigte die zuvor nur langsam voranschreitende Digitalisierung erheblich. Besonders deutlich zeigte sich dieser Wandel in der Bildungs- und Arbeitswelt. Lern- und Arbeitsorte wurden zunehmend unabhängig vom Standort der jeweiligen Bildungseinrichtung oder des Arbeitgebers. Die wachsende Flexibilität führte zu einer verstärkten Abwanderung aus den Großstädten und zu einer steigenden Nachfrage nach Wohn- und Lebensräumen im Grünen. Damit rückten Kleinstädte stärker in den Fokus. Städte im ländlichen Raum mit bis zu 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern fanden bislang jedoch nur wenig Beachtung als eigenständige Entwicklungsperspektive. Am Beispiel der Stadt Eichstätt entwickelte die Arbeit eine Strategie, die die Potenziale dieses Wandels für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung aufzeigte.
Mit rund 13.000 Einwohnerinnen und Einwohnern vereint Eichstätt die Qualitäten einer historischen Kleinstadt mit der unmittelbaren Nähe zur Landschaft des Naturparks Altmühltal. Die dichte barocke Altstadt und das hochwertige Landschaftsumfeld bieten gleichermaßen attraktive Voraussetzungen für urbanes Leben und naturnahe Erholung. Gleichzeitig zeigte eine 2021 veröffentlichte Sozialstrukturanalyse, dass der demografische Wandel die Stadt in den kommenden Jahren vor erhebliche Herausforderungen stellen wird. Mit dem Eintritt der Babyboomer-Generation in den Ruhestand werden bis 2035 erhebliche Fachkräfteengpässe erwartet, die Betriebsschließungen und Standortverlagerungen begünstigen können. Gleichzeitig sind auch in Eichstätt zunehmende Leerstände und ein Rückgang des innerstädtischen Einzelhandels zu beobachten.
Die Arbeit verstand die Digitalisierung als Chance, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Als Universitätsstadt, Bischofssitz und Wohnort vieler junger Menschen verfügt Eichstätt über besondere Potenziale. Die Katholische Universität zieht Studierende an, bindet junge Menschen an die Region und bildet dringend benötigte Fachkräfte aus. Gleichzeitig übernimmt die Diözese als bedeutende Institution eine aktive Rolle in der Stadtentwicklung.
Auf dieser Grundlage entwickelte die Arbeit Strategien für neue Lern- und Arbeitsorte, die den Anforderungen des digitalen Arbeitens gerecht werden und dazu beitrugen, Fachkräfte langfristig an den Standort zu binden. Die gezielte Ansiedlung dieser Angebote in der Innenstadt schuf neue Anziehungspunkte und bot zugleich die Möglichkeit, leerstehende Gebäude einer neuen Nutzung zuzuführen. Ergänzend entwickelte die Arbeit Wohnkonzepte, die auf die Bedürfnisse neuer Nutzergruppen reagierten und bevorzugt im historischen Stadtkern umgesetzt werden sollten. Auf diese Weise zeigte die Arbeit Wege auf, wie neue Impulse für eine lebendige Innenstadt und eine nachhaltige Entwicklung der Kleinstadt entstehen können.








