Patch:Works!
Transformation des ehemaligen Kaufhofs in Ingolstadt
ANNABEL MATZDORF UND ANNA LÜSSMANN - MASTER THESIS ARCHITEKTUR - SOMMER 2025
Die Masterthesis Patch:Works! untersucht die Transformation des ehemaligen Kaufhof Gebäudes in Ingolstadt zu einem vielfältigen Kommunikations- und Begegnungsort. Ziel ist es, dem leerstehenden Warenhaus erneut eine Schlüsselrolle im städtischen Kontext zuzuführen und neue Impulse für eine resiliente Stadtentwicklung zu setzen. Da das Warenhaus als Schwelle zwischen Stadt und Objekt verstanden werden kann, wurde die Fragestellung auf Makro- und Mikroebene betrachtet, um Antworten auf die Frage zu finden, welche Räume künftig als Urbanisierungsmotor unserer Zentren wirken können.
Eine umfassende städtebauliche und sozioökonomische Analyse bildet die Grundlage für den Entwurf. Angesichts homogener Nutzungsstrukturen in der Altstadt, einer heterogenen Bewohnerschaft und einer stark wachsenden Einwohnerzahl ergibt sich die Notwendigkeit einer funktionalen und sozialen Diversifizierung. Der Entwurf adressiert diese Herausforderung durch die Entwicklung eines „Patchworks“ aus Zeiten, Nutzern und Nutzungen. Somit wird das Gebäude als 24-Stunden-Ort gedacht: multifunktional, adaptiv, dicht und gemeinwohlorientiert. Es fungiert als „Bürgerhaus 2.0“, das soziale Begegnung fördert und zugleich dringend benötigten Wohnraum schafft.
Das Bestandsgebäude selbst lässt sich als Patchwork unterschiedlicher Zeitschichten lesen. Drei Bauabschnitte prägen seine Struktur und bilden die Grundlage für die Umbaustrategie. Um die vorhandenen Defizite zu beheben und neue Qualitäten zu schaffen, werden gezielte Rückbaumaßnahmen vorgenommen: Die obersten beiden Geschosse werden abgetragen, während der stark geschädigte erste Bauabschnitt für verbesserte Belichtungssituationen zurückgebaut wird.
Bestehende Fassadenelemente werden größtenteils erhalten und an heutige Anforderungen angepasst. Die vorhandenen Erschließungskerne werden bewahrt und durch neue Kerne ergänzt, um eine klare Trennung zwischen öffentlichen und privaten Bereichen zu gewährleisten. Ergänzt wird der Bestand durch eine dreigeschossige Aufstockung in Holzbauweise, die ausschließlich dem Wohnen dient.
Die funktionale Organisation folgt einem klaren Prinzip: Das Gebäude gliedert sich in einen öffentlichen Sockel und einen privaten Wohnbereich. In den unteren Geschossen bildet ein Atrium die zentrale Verteilerzone, um die sich flexible Aufenthalts- und Bewegungsräume anordnen. Diese Struktur ermöglicht eine enge Verzahnung unterschiedlicher Nutzungen und schafft gleichzeitig eine hohe Flexibilität. Ein Performance Space sowie großzügige Kommunikationsbereiche fördern den sozialen Austausch und schaffen vielfältige Begegnungsräume.
Die Nutzungen sind vertikal gestaffelt: Das Erdgeschoss bildet eine offene, stark öffentliche Zone, die sich mit dem Stadtraum vernetzt. Die zentrale Sitztreppe verbindet das Erdgeschoss mit dem Untergeschoss, das Raum für Bewegung, Sport und Veranstaltungen bietet. In den darüberliegenden Geschossen nimmt der Grad der Öffentlichkeit sukzessive ab. Flexible Büroflächen und Arztpraxen ergänzen das Nutzungsspektrum, während in den oberen Etagen der private Wohnbereich angeordnet ist. Hier entsteht ein differenzierter Wohnungsmix für verschiedene Nutzergruppen, von Studierenden bis hin zu barrierefreien Wohnungen für Senioren.
Die Grundrissgestaltung folgt dem flexiblen Raster des Bestands, das im Neubau weitergeführt wird. Während die großzügigen öffentlichen Geschosse radial entlang des Atriums erschlossen werden, ermöglichen die Wohngeschosse kompakte und effiziente Grundrisse mit gemeinschaftsfördernden Erschließungselementen, wie Laubengängen und Dachterrassen. So entstehen zusätzliche Interaktionsräume für die Bewohner.
Insgesamt versteht sich Patch:Works! als Beitrag zur Untersuchung für eine nachhaltige Reaktivierung innerstädtischer Großstrukturen. Das Projekt veranschaulicht, wie durch gezielte Transformationsstrategien, einer funktionalen Nutzungsdurchmischung und räumlicher Flexibilität ein zukunftsfähiger Begegnungs- und Kommunikationsort für die Stadtgesellschaft Ingolstadts im ehemaligen Warenhaus Galeria Kaufhof entstehen kann.









