Wintersemester 2020/21
Seminar, Master Architektur, Prof. Uta Graff, Maximilian Treiber

 

Maik und Dirk Löbbert, Ring Chianti, 1996  Studio Villetta, Villa Romana, Florenz


Realmontagen - Ein fotografisches Seminar

Im Zentrum der Lehrveranstaltung steht das fotografische Bild als Ausgangspunkt zur Wahrnehmung alltäglicher Räume. Als Aufzeichnung von räumlichen Dynamiken der Realität, von Widersprüchen zwischen dem Gestalteten und dem vom Menschen angeeignetem Raum. Vor diesem Hintergrund soll das Bild nicht als inhaltsleere Repräsentation, sondern zum Gegenstand eines sinnhaften Prozesses im Entwerfen verstanden werden. Innerhalb der Dualität von Architektur und ihrem Abbild wird dem Potential der räumlichen Montage nachgegangen. Eine Technik der Verschiebung und Verlagerung von Bestehendem. Dafür werden alltägliche Raumkonstellationen fotografisch untersucht, fragmentiert und finden als vorgefundenes Material in eigenen räumlichen Kompositionen Anwendung. Zusätzliche Anregungen einer thematischen Fokussierung oder performativer Raumintervention liefern konkrete Ergebnisse der Auseinandersetzung.  

Die Lehrveranstaltung verfolgt eine Verlangsamung des Blicks auf unsere Realität. Die Motivation zum genauen Hinschauen und damit zur Entdeckung architektonischer Rohware, die unseren Alltag unbewusst begleitet wird ebenso vorausgesetzt wie eigenes Engagement zur kritischen und kreativen Auseinandersetzung mit der Montage-Technik. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich die Lehrveranstaltung von der Architekturfotografie und Fotomontage als Repräsentationsform abgrenzt.

Die Teilnehmenden erarbeiten sich zum einen ein visuelles Repertoire eines Wissens zur Wirkung und Erfahrung architektonischer Räume sowie einen differenzierten Einblick in assoziative Techniken von Architekturerleben und -wahrnehmung. Ergänzend zur Herstellung räumlicher Arbeiten, werden die Erfahrungen in selbstgeführten Dokumentationen festgehalten.  

In gemeinschaftlichen bzw. individuellen Raumerkundungen wird die visuelle Wahrnehmung und physische Erfahrung geschärft. In wöchentlichen Terminen werden eigene Sichtweisen mit fotografischen Serien, temporären Installationen oder Modellen diskutiert. Die unmittelbare und genaue Arbeit mit dem Bild dient ebenso als Werkzeug der Auseinandersetzung wie die eigene visuelle Erfahrung architektonischer Räume.

 

Semesterarbeiten

Serien – 
Valerie Kronauer

 

 Ein Augenblick, eine Sequenz. Die Kontinuität, das Vergängliche – 
Juan Sebastian Vintimilla Ochoa

 

Alice. quasi alles beim alten – 
Lena Kirsch

 

Fragmente – 
Lukas Walcher, Tobias Prielmeier