Niemals nur oberflächlich!

Zu Material, Technik und Ästhetik von Architekturoberfläche. Eine Einführung

 

SS 2022

Kurzbeschreibung

Das MA Projekt „Niemals nur oberflächlich! Zu Material, Technik und Ästhetik von Architekturoberfläche. Eine Einführung“ soll den Studierenden Grundkenntnisse der Herstellungstechniken verschiedener Architekturoberflächen sowie ihrer Träger von der Antike bis zur Moderne näherbringen.

Die verschiedenen Stilrichtungen vom römischen bis zum modernen Putz, die Verkleidung und die Polychromie an Fachwerkkonstruktionen sollen aufgezeigt werden. Ebenso soll auf die politischen und ikonographischen Aspekte der gewählten Technik verwiesen werden.

Nur das Wissen um die handwerklichen Herstellungsprozesse ermöglicht es uns, die Oberflächen „neu zu betrachten“ und ihre Rolle mit aktuellen Ideen der Wiederverwendung und der Farben „neu zu erfinden“.

Ein Schwerpunkt wird auf Schäden gelegt, die auf Verfärbung und Ablagerung zurückzuführen sind. Dabei wird die Idee der natürlichen Patina als Wert sowie das Konzept der Patinierung in der Restaurierung hervorgehoben werden.

Zudem sollen der Zustand von modernen und historischen Architekturoberflächen sowie deren spezifische Schadensbilder und Überarbeitungen in Abgrenzung zur Patina, als Alterswert in der Denkmalpflege, identifiziert und bewertet werden. Dieses Bewusstsein soll sich in neuen Konzeptionen widerspiegeln, die von den Studierenden anhand von Restaurierungstheorien entwickelt werden sollen.

Die Lehrveranstaltung wird dual mit Frontalvorträgen und Review-Meetings gestaltet, die sich um eine anwendungsbezogene Fallstudie drehen: die Akropolis von Lipari im Welterbe der Äolischen Inseln. Die beteiligten Dozeierenden werden die verschiedenen Herstellungstechniken von Oberflächen vorstellen, angefangen vom römischen bis hin zu modernen Putz- und Stuckarbeiten. Dabei werden Bodenbeläge nicht außer Acht gelassen.
Die Studierenden sollen verschiedene Oberflächen in ihren ornamentalen Kompositionen und ästhetischen Merkmalen durch Bleistiftzeichnung (Entwurf nach Modellen) wiedergeben.

Nach einem erfolgreichen Abschluss dieses Moduls sollen die Studierenden in der Lage sein, den Zustand moderner und historischer Architekturoberflächen sowie deren spezifische Schadensbilder bewerten zu können. Dies geht mit einem Basiswissen über notwendige Eingriffe zur Erhaltung von Architekturoberflächen einher. Dabei sollen neue, auf diesem Bewusstsein basierende Lösungen ins Auge gefasst werden.

Für dieses Semester wurde "Gefangenschaft" als übergreifendes Thema gewählt. Dabei wird das Thema der mit ikonischer, sozialer oder politischer Bedeutung aufgeladenen Baudenkmäler vertieft diskutiert. Die Akropolis von Lipari, Äolische Inseln (Italien), die von den Faschisten als Haftstätte für politische Opponenten (z. B. Curzio Malaparte, Fausto Nitti, Emilio Lussu, Carlo und Nello Rosselli, Gioacchino Dolci und später Edda Ciano usw.) genutzt wurde, wird als herausragende, illustrative Fallstudie verwendet.

Die Überarbeitung und Veränderung historischer Oberflächen wird veranschaulicht, wobei der Schwerpunkt auf den Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten des 20. und 21. Jh., der Sanierung nach dem Zweiten Weltkrieg und dem modernen Erwerb durch das Archäologische Museum von Lipari liegen wird.

Die Frage der Interpretation historischer Befunde in jüngerer Zeit sowie die der Fälschungen der Polychromie und Materialien werden anhand der Restaurierungen des 20. Jh. im Innen- und Außenbereich des Gebäudes thematisiert. In diesem Zusammenhang wird den künstlerischen und architektonischen Merkmalen der Decken und Fußböden besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Außerdem wird eine Studie über mögliche Konservierungs-Restaurierungsstrategien durchgeführt. Dies betrifft insbesondere die Gebäudeteile, die zum historischen Garten hin offen sind, also dem Meer zugewandt sind, aber historisch gesehen die Gefangenen von diesem trennen.

Abschließend wird die Frage der touristischen Nutzung des Gebäudes als Erweiterung der Museumsausstellung sowie die entweihte Kirche behandelt. Zudem wird eine mögliche Umnutzungsstrategie der Gebäude im Rahmen eines umfassenderen Konservierungs-Restaurierungskonzepts von vernachlässigtem und verlassenem Kulturerbe betrachtet.

Besonderes Augenmerk wird auf eine “Umnutzungsidee” für (I.) den Hof des ehemaligen Gefängnisses, (II.) den jetzigen Seminarraum und die Bibliothek, (III.) das Lager des archäologischen Museums, (IV.) die kleinen Ausstellungsräume, (V.) die versteckten Gänge der Gegenfassade mit ihrem Garten zum Meer und der Präsentation archäologischer Funde gelegt. Darüber hinaus werden individuelle Lösungen für die Architekturoberflächen sowie eine ganzheitliche Lösung für die entweihte Kirche gegenüber dem ehemaligen Gefängnis erarbeitet.

 

Vortragende/r Thomas Danzl, Roberta Fonti
(Mitwirkende/r) Nadia Thalguter
Art/ Umfang Projekt + Exkursion / 8,52 SWS, 15 ECTS
Semester SoSe 2022
Sprache Englisch (Lehrmaterial auf Deutsch/Englisch, individuelle Review-Meetings auf Englisch)
Termine Anlaufbesprechung 27.04.2022, 13:15 - 18:45
Jeden Mittwoch 13:15 - 18:45
Exkursion zu den Äolischen Inseln
Abschlusspräsentation, 03.08.2022
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WS 2021/22

Fallbeispiel: Der "Palazzo Ristorante" von Arch. Ettore Rossi im E.U.R.-Stadtteil in Rom

 

Gastkritiker:innen Prof. Arch. Elisabetta Pallottino, Universität Rom, RomaTre
Prof. Arch. Giovanni Carbonara, Emeritus, Universität Rom, La Sapienza
Arch. Francesco Innamorati, E.U.R. Spa.
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SS 2021

Fallbeispiel: Die Kathedrale des Heiligen Georg in Ferrara (UNESCO-Weltkulturerbe)

“Its rosy marble façade, which has elements of both the Romanesque and Gothic styles, is unusual, for although the plan of the building is that of a typical basilican church with a high central nave flanked by lower side aisles, the façade doesn’t acknowledge this."
Charles M.Rosenberg, 1999

 

Gastkritikerin Prof. Arch. Elisabetta Pallottino, Universität Rom, RomaTre
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WS 2020/21

Fallbeispiel: E.U.R. Stadtteil (E42), Palazzo dei Congressi e dei Ricevimenti (Rom)

“[…] Der EUR, wo der Friedhof unserer Niederlagen noch zu sehen ist, hat jeder verloren, so gut, wie er konnte. Wenn nach dem Gewinn einer nationalen Ausschreibung keine Kolumnen vorhanden wären, würde keines unserer Projekte angenommen. Sie würden uns sagen: << Wenn Sie nicht mit Säulen entwerfen, dann wird die Konstruktion nicht gebaut >>. [...] Ich habe verzweifelt um den Palazzo dei Ricevimenti gekämpft. Ich musste 5 Projekte durchführen und habe immer versucht zu retten, was zu retten war. Am Ende musste ich eine Reihe von Säulen an der Fassade akzeptieren, einerseits ohne Kapitelle, andererseits mit einem enormen Raum Hinter ihnen. Es sind keine dekorativen Säulen, weil sie ein enormes Gewicht haben. [...] Ich habe alles Mögliche getan, um zu retten, was gerettet werden könnte. Aber es ist menschlich, sich jedes Mal irgendwann mit einem Kompromiss oder einem Abändern der eigenen Idee, zu ergeben. Natürlich hatten wir einen politischen Einfluss, weil wir wollten und nicht wussten, wie wir etwas beheben können, das uns innerlich abstößt."
A. Libera, Meine Erfahrung als Architekt in La Casa, 6. Juni 1959, S. 171-175

 

Gastkritiker:innen Prof. Arch. Elisabetta Pallottino, Universität Rom, RomaTre
Prof. Arch. Giovanni Carbonara, Emeritus, Universität Rom, La Sapienza
Arch. Francesco Innamorati, E.U.R. Spa.
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SS 2020

Fallbeispiel: Das Franziskanerkloster der Zoccolanti in Torre del Greco, Italien

 

Gastkritiker Arch. Luca Zevi
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